
„Einen Tod muss man sterben“ – ein Satz, der mir im Zusammenhang mit Pferdehaltung immer wieder durch den Kopf geht. Vielleicht bitter, aber leider überwiegend wahr.
Pferdehaltung ist oft ein Spagat. Entweder gelingt eine wirklich pferdegerechte Haltung, in der Pferde gesund und zufrieden leben können, oder man erfüllt zusätzlich den Anspruch an Komfort und optimale Trainingsbedingungen mit guten Böden und vielen Reitmöglichkeiten. Beides gleichzeitig zu finden, ist eher selten.
Immer mehr rückt das Thema Pferdehaltung in den Fokus von Reitern und Pferdebesitzern, denn viele Haltungsformen heutzutage machen Pferde krank. Und je mehr ich unterwegs bin, desto mehr sehe ich die unterschiedlichsten Systeme, Ansätze und Stallkonzepte. Viele davon sind gut gemeint, einige wirklich durchdacht. Andere dagegen gehen leider völlig an den tatsächlichen Bedürfnissen der Pferde vorbei.
Für mich persönlich steht inzwischen ganz klar das Wohl meiner Pferde an erster Stelle. Denn eines ist mir über die Jahre deutlich geworden: Was nützen mir die schönsten Hallen, moderne schicke Ställe oder der schönste Parcours, wenn ich kein gesundes und zufriedenes Pferd habe?

Für mich sind einige Dinge in der Pferdehaltung nicht verhandelbar: Frische Luft und sauberes Wasser sollten ein No-Brainer sein. Aber es scheitert zu 95 % am ganz täglichen Auslauf – und zwar auch (und vor allem) im Winter. Idealerweise leben Pferde in kleinen, ruhigen Gruppen, damit Stress und Verletzungsrisiken auf der Weide möglichst gering bleiben. (Auch das Herausbringen sollte ruhig und kontrolliert erfolgen, anstatt beschlagene Pferde als ganze Herde über Asphalt zu treiben!)
Ebenso entscheidend ist hochwertiges und jederzeit ausreichend verfügbares Raufutter. Viele Fütterungskonzepte sind leider problematisch: zu wenig Raufutter und zu lange Fresspausen. Pferde, die stundenlang ohne Beschäftigung oder ausreichend Futter draußen stehen, beginnen häufig aus Frust oder Langeweile, Sand oder andere ungeeignete Dinge aufzunehmen. Manche reagieren auch mit Unruhe oder übermäßigem Toben. Dabei ist das Pferd als ursprüngliches Steppentier darauf ausgelegt, sich täglich viele Kilometer fortzubewegen und dabei nahezu kontinuierlich Raufutter aufzunehmen.
Der Pferdemagen produziert rund um die Uhr Magensäure, unabhängig davon, ob gerade Futter vorhanden ist oder nicht. Erst durch das ständige Kauen wird Speichel gebildet, der hilft, überschüssige Säure zu puffern und den empfindlichen Magen zu schützen. Lange Fresspausen widersprechen daher nicht nur dem natürlichen Verhalten des Pferdes, sondern können auch gesundheitliche Folgen haben.
Zu einem vernünftigen Reitstall gehören noch gut gepflegte und funktionale Reitböden. Nur so ist ein möglichst ganzjähriges Training möglich, ohne die Beine oder Atemwege der Pferde unnötig zu belasten.
Ebenso wichtig ist eine ruhige und entspannte Stallatmosphäre, in der sich Pferd und Reiter gleichermaßen wohlfühlen können. Durch die Pferde habe ich gelernt, dass oft nicht die offensichtlichen Dinge die wichtigsten sind. Selbst ein Stall, der auf den ersten Blick perfekt wirkt, kann für Pferde belastend sein, wenn dauerhaft Unruhe, Hektik oder Stress herrschen. Pferde reagieren sensibel auf ihre Umgebung – viel sensibler, als Menschen wahrhaben wollen.
Fehlt eines dieser Elemente, ist Ärger meist vorprogrammiert.
Ich persönlich habe mich inzwischen von der klassischen Reitstall und Boxenhaltung abgewandt, bei der Pferde oft viel zu wenig oder im Winter teilweise gar keinen Auslauf bekommen. In der kalten Jahreszeit sind die Ställe dicht geschlossen, im Sommer dagegen stickig und staubig. Pferde werden dabei häufig entweder zu sehr vermenschlicht oder nahezu wie Nutztiere behandelt. Bei meinen eigenen Pferden habe ich nur zu deutlich erlebt, welche körperlichen und mentalen Folgen das haben kann.
Die besten Ställe, die ich kennenlernen durfte, werden von Menschen geführt, die echten Pferdeverstand haben. Es sind meist Reiter, die nicht nur organisieren und verwalten, sondern genau wissen, was Pferde brauchen, um gesund, fit und ausgeglichen zu bleiben. Leider begegnet man ebenso häufig dem Gegenteil: viel Betrieb, wenig Fachwissen und Pferde, die still leiden, bis ihre Gesundheit irgendwann nicht mehr mitmacht.
Am Ende bleibt für mich ein klarer Gedanke. Gute Pferdehaltung ist kein Zufall. Sie ist eine Entscheidung.
